Scribote ist der Name des Stadtanzeigers von Marseillan, in dem über aktuelle Neuigkeiten der Stadt berichtet wird .
In früheren Zeiten wurden Neuigkeiten durch fahrende Sänger weitergetragen. So auch die Erlebnisse der Scribote. Im Mittelalter hatten Bänkelsänger diese Erlebnisse in einer Moritat : " Das Klagelied der schönen Scribote ", weitherum im Languedoc verbreitet.
Diese Legende rankt sich um das unsagbare Leid, das einer schönen jungen Frau zugefügt wurde, der Scribote . Scribote lebte ungefähr in der Zeit um 1450 in Marseillan.
Zur selben Zeit trieben sarazenische Seeräuber ihr Unwesen an der Küste entlang des Languedocs. Sie hatten Kunde von der schönen Scribote und kamen zu einem Raubzug nach Marseillan. Die Seeräuber bemächtigten sich der jungen Scribote. Mit roher Gewalt wurde sie von ihren Eltern , Geschwistern , Freunden, ihrem Geliebten getrennt und nach Granada verschleppt . Dort verkauften sie die Schöne als Sklavin an den Königshof von Boabdil. Boabdil war der letzte maurische König auf der iberischen Halbinsel.
Als Mas, Scribotes Geliebter, von der Entführung erfuhr, zögerte er keinen Augenblick , ließ alles liegen und stehen und machte sich auf den Weg nach Spanien. Er wollte seine Geliebte dort suchen, sie befreien und die ihr angetane Schmach rächen. Hali, ein enger Freund der beiden, begleitete Mas auf dem gefahrvollen Weg in das Reich der Mauren.
Sie ließen sich in der Legion der Ungläubigen als Söldner anwerben. So konnten sie unauffällig nach Scribote suchen. Mas erfuhr, daß seine Geliebte in einem Serail bei Granada gefangengehalten wurde. Wie traurig und verzweifelt mußte sie sich dort fühlen, in einem Land, das nicht ihr Heimatland ist, unter Menschen, die nicht die Sprache ihrer Kindheit sprechen. Der Gedanke daran und sich vorzustellen, daß seine Geliebte dem Emir als Sklavin zu Diensten sein mußte, ließ Mas vor Wut erzittern. Wenn es sein müßte, würde er sein Leben opfern um Scribote zu erlösen. Der Palast des Emirs wurde streng bewacht und dazu war Mas ja noch ein Ungläubiger. Er mußte also mit List und Klugheit vorgehen um seine Geliebte zu befreien.
Mas verließ sein Bataillon, ging in die Nähe des Palastes und gab sich dort als Landschaftsmaler aus. Er malte mit Geschick Sujets vom Palast, seiner Umgebung und auch von der Gartenanlage, in der die traurige Scribote mit den anderen Sklavinnen jeden Tag spazieren gehen durfte. Auf diese Art und Weise konnte er die Örtlichkeiten und die zeitlichen Gegebenheiten erkunden und sich ein genaues Bild machen.
Am Tag der vorgesehenen Flucht plazierte Mas seine Bilder geschickt entlang des Weges, auf dem die Sklavinnen spazieren gingen. Für die jungen Frauen waren die aufgestellten Bilder eine willkommene Abwechslung und sie betrachteten sie mit Neugierde, so auch Scribote .
Ein besonders auffälliges Bild hatte Mas mit einer außergewöhnlichen Signatur versehen : " Dieses Bild wurde von Mas aus Marseillan gemalt ". Neben diesen Bild stellte er seine Staffelei und hängte daran seine Malerkleidung. Er verließ den Palast und betete darum, daß auch Scribote sich dieses Bild ansehen und die geheime Botschaft würde deuten können.
Beim Betrachten der Bilder sah Scribote das Bild mit der verschlüsselten Botschaft und erkannte mit freudigem Erschrecken die Handschrift ihres Geliebten. Ohne besondere Erklärungen, nur mit dem siebten Sinn einer Liebenden wußte sie sofort, daß dies eine Aufforderung war, zu fliehen und was sie tun mußte .
In einem günstigen Augenblick schlüpfte sie daher in die Malerkleidung, nahm die Malerutensilien an sich und konnte als Maler verkleidet, ungehindert an den Wachen vorbei den Palast verlassen. Vor dem Palast erwartete sie sehnsüchtig Mas, ihr Geliebter. Sie fielen sich in die Arme, überglücklich wieder vereint zu sein. Viel Zeit für die Wiedersehensfreude blieb ihnen nicht. Es war noch ein weiter Weg bis nach Marseillan. Ohne sich lange aufzuhalten, machten sie sich daher auf den Weg ans Meer und kamen auf einem Schiff in wenigen Tagen im Hafen von Agde an.
Scribote war wieder zu Hause !!
Mas verweilte nur kurz in Marseillan. Voller Rachegelüste ging er nach Spanien zurück. In der Nähe von Julia-Liva traf er wieder auf sein Bataillon, dem er als Legionär angehörte.
Sein Freund Hali hatte in der Zwischenzeit herausgefunden , daß die 2te moslemische Legion von dem Hauptmann der Seeräuber angeführt wurde, der die Geliebte seines Freundes aus Marseillan geraubt hatte . Die Freunde ließen sich in diese Legion versetzen. Unter einem Vorwand lockten sie den Entführer von Scribote an einen abgelegenen Ort. Dort gab Mas sich zu erkennen, zog seinen Säbel und verlangte Genugtuung. Der kampferprobte Hauptmann lachte Mas aus, griff auch zum Säbel und hieb auf Mas ein. Er glaubte mit dem unerfahrenen Jüngling leichtes Spiel zu haben. Diesmal jedoch siegte das Gute über das Böse. Hali nämlich kam seinem Freund zu Hilfe. Gemeinsam konnten sie den Unhold niederstrecken. Er bezahlte die Untat mit seinem Leben !
Scribotes Schmach war gerächt !!
Die Freunde verließen Spanien und kehrten als Helden nach Marseillan zurück. Scribote hatte ihren Geliebten wieder. Sie war glücklich und stolz für den Beweis seiner großen Liebe zu ihr. Sie lebten fortan als glückliches Paar in Marseillan und wenn sie nicht gestorben sind ...............
Zum Schluss wird in der Legende berichtet, daß Hali die Schwester seines Freundes heiratete. Zu seiner Hochzeit erhielt er ein großzügiges Geschenk und außerdem wurde ihm der ehrenvolle Titel verliehen : "Bürger von Marseillan" .
Ins Deutsche frei übersetzt von : Manfred Mummenthey