Der Tourismus: Die Entstehung von Marseillan-Plage
Die andere neue Aktivität, der sich Marseillan nach dem 2. Weltkrieg zuwendet, ist der Tourismus, der die Badegäste ans Mittelmeer lockt.
Zur Zeit der Reblausplage, als die Weinfelder in Strandnähe angepflanzt wurden, entstanden auch schon vereinzelte kleine Wohnsiedlungen und Weingüter am Meer. Doch während des 2. Weltkrieges werden diese Behausungen durch die deutschen Besatzer fast gänzlich zerstört, da die Deutschen 1944 eine Invasion der Alliierten am Mittelmeer fürchten und hier ihre Verteidigungsanlagen bauen. (Heute noch trägt der Canal, der den Étang de Thau mit dem Mittelmeer verbindet, im Volksmund den Namen "Canal des Allemands" - Kanal der Deutschen, da er von deutschen Truppen gegraben wurde, um ein eventuelles Vorrücken alliierter Panzer zu verhindern.)
Nach dem Krieg hat also der Strand seinen urwüchsigen Zustand wiedererlangt und die Gemeinde Marseillan erwirbt im Jahre 1947 ein 20 ha großes Grundstück (16 ha der zerstörten Domaine de Richemont und 4 ha von kleineren Nachbarn), um ein modernes Ferienzentrum zu errichten, aber auch um vertriebenen Anwohnern einen Teil des Landes zurückzugeben (Fischer u.a.).
Ein Städteplaner zeichnet die großen Linien der zukünftigen Ferienanlage Marseillan-Plage. Vorgesehen sind
Die Verwirklichung dieses Projektes nimmt mehr als zehn Jahre in Anspruch; 1965 wird das Bürgermeisteramt von Marseillan-Plage eröffnet.
Dieser erste von der Gemeinde geplante und erbaute Abschnitt von Marseillan-Plage befindet sich - wenn man zum Strand fährt - auf der linken Seite der Avenue Méditerranée und zeigt heute noch die gleiche Struktur, die man ihm damals gab. Im Laufe der Jahre jedoch hat sich Marseillan-Plage enorm vergrößert und bedeckt heute das gesamte Strandgebiet von Marseillan mit seinen neu entstandenen Ferienresidenzen und seinen in Richtung Cap d'Agde gelegenen großen Campingplätzen, die auf den Ländereien der früheren Weingüter entstanden sind.
Doch auch Marseillan-Ville gestaltet sich attraktiv, um Urlauber zu empfangen. Der Handelshafen, der seine Bedeutung nach dem 2. Weltkrieg komplett verloren hat und aus dem das letzte noch verbleibende und für Noilly-Prat fahrende Handelsschiff in den 60er Jahren verschwindet, wird 1967 zum Yachthafen umgebaut. Der sich entwickelnde Tourismus auf den Wasserstraßen Frankreichs, der die auf dem Canal du Midi fahrenden Urlauberhausboote in den Hafen von Marseillan bringt, trägt dazu bei, dem Hafen ein neues Gesicht und wieder eine aktive Rolle zu geben.
Dann gibt es da noch ein anderes Phänomen, das Marseillans touristische Bedeutung unterstreicht. Besteht bei den einheimischen Bürgern die Tendenz, das alte Stadtzentrum zu verlassen, um sich eine Ville am Stadtrand zu bauen, so haben zahlreiche Urlauber ihre Liebe zu den alten Gemäuern Marseillans entdeckt und alte Häuser im Zentrum für ihre Ferien oder ihren Alterssitz erworben und liebevoll restauriert. Die in den 60er und 70er Jahren vom Aussterben bedrohte Altstadt Marseillans (die Einwohnerzahlen sanken auf den Tiefststand von 3394 im Jahre 1962) ist heute wieder bevölkert, und es herrscht ein friedliches Nebeneinander von Alteingesessenen und Neubürgern. Marseillan kann heute eine stolze Einwohnerzahl von über 6000 aufweisen, die sich natürlich während der Sommermonate noch um ein vielfaches erhöht.