Die 30er Jahre: Die Krise auf dem Höhepunkt

Ab 1927 geht der Weinhandel rapide zurück und viele Händler in Marseillan müssen ihr Gewerbe aufgeben; die Preise halten endgültig der Konkurrenz nicht mehr stand, die in Qualitätsweinen aus Bordeaux und Burgund und in billigen Tafelweinen aus Algerien besteht.

Viele Marseillanaiser sind arbeitslos und auch die Bemühungen der Stadt, durch die Installation einer gemeindeeigenen Weindestillieranlage Arbeitsplätze zu schaffen, ändern nicht viel an der Verzweiflung der Bevölkerung. Das Leben wird immer schwieriger. 1935 hat Marseillan 135 Arbeitslose, und viele Leute verlassen den Süden Frankreichs. Die Einwohnerzahlen gehen von 4072 Einwohnern im Jahre 1931 auf 3664 Einwohner im Jahre 1936 zurück, obwohl Marseillan im gleichen Jahr 1936 30 spanische Bürgerkriegsflüchtlinge aufnimmt.

In dieser Krisensituation wird die noch heute existierende "Cave coopérative" - die Winzergenossenschaft gegründet, in der in Gemeinschaftsarbeit der Marseillanaiser Weißwein entsteht, der dann per Tanklastwagen abtransportiert wird.

Aber die Weinkrise bedroht auch die lokale Eisenbahnlinie und den noch am Ende des vorigen Jahrhundert so gut florierenden Handelshafen.

Die regionale Bahnlinie wurde zu Beginn des Jahrhundert noch gut frequentiert, und 1922 werden Bahnhof und Quais erweitert. Auch der Warenverkehr nahm zu. Doch schon einige Jahre später rentiert sich die Linie kaum mehr: durch die Krise und die Konkurrenz der Autobusse geht der Passagierverkehr rapide zurück und wird 1932 eingestellt. Auch der Handelsverkehr geht in den darauffolgenden Jahren zurück, und trotz aller Bemühungen der Stadt, die Linie aufrechtzuerhalten, wird sie im Jahre 1952 endgültig geschlossen.

Aber auch der einst so aktive Handelshafen ist in Schwierigkeiten. Zwischen 1932 und 1935 wird er noch einmal erweitert und ausgebaut, aber zu dieser Zeit zeichnet sich der Niedergang schon ab. Die zwischen 1860 und 1920 so imposante Flotte von Marseillanaiser Transportschiffen zählt nur noch 80 leichte Fischerbarken und die 12 Handelsschiffe, die täglich zwischen Marseillan und Sète hin- und herfuhren, verschwinden eines nach dem anderen. Durch die Weinkrise schließen die Geschäfte der Weinhändler entlang der Quais und die noch verbleibenden lassen ihren Wein und ihre Spirituosen durch Tanklastwagen abholen.

 

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