Kurzfristige Erholung: Marseillan modernisiert sich

Nach der Krise von 1907 gibt es noch einmal einen kurzfristigen Aufschwung der Weinindustrie nach dem 1. Weltkrieg mit zufriedenstellenden Verkaufszahlen. Dies ist auch die Zeit der großen Bauprojekte zur Modernisierung der Stadt.

Schon 1911 wurde der Bau eines Theater beschossen, der Bau kann allerdings erst nach dem Krieg im Jahre 1921 fertiggestellt werden. Ein Intendant aus Avignon mit seiner Truppe wird  engagiert; man schließt sogar einen 30 Jahre-Vertrag ab.

1924 entsteht die neue imposante Markthalle auf dem freien Platz neben der Kirche, an dem früher das Presbyterium stand. Schon lange war die alte Markthalle, die "Place couverte", zu klein geworden und die Marktstände hatten sich in die Seitenstraßen ausgedehnt. Der Kirchplatz wird erweitert und die äußeren Boulevards, die auf dem ehemaligen Wassergraben der Stadt gebaut wurden, werden modernisiert und mit Bäumen bepflanzt. Entlang dieser Boulevards bauen die reichen Marseillanaiser Bürger ihre komfortablen und imposanten Patrizierhäuser, diese so typischen Languedoc-Häuser reicher Winzer, mit großer Lagerhalle im Erdgeschoß (für die Zugtiere, die Weinfässer und die Weinpresse), den Wohn- und Schlafräumen der Familie im 1. Stock und den Dienstbotenkammern und dem Getreidespeicher im 2. Stock. Noch heute ist diese Wohnstruktur weitgehend erhalten.

1927 wird die öffentliche Bedürfnis- und Badeanstalt gebaut, in denen die Bürger vor allem am Wochenende ihre Kinder baden. Dies ist schon ein großer Fortschritt, da Marseillan bis zum 2. Weltkrieg kein fließendes Wasser in den Privathaushalten kennt. Das Projekt kommt zwar einige Male im Gemeinderat zur Sprache, durch die wiedereinsetzende Weinkrise kann es jedoch nie in die Praxis umgesetzt werden.

 

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