Der Transport: Handelshafen und Eisenbahnlinie
Die 2. Hälfte des 19. Jahrhunderts ist auch die Epoche der Eisenbahn, deren Schienen bald ganz Frankreich miteinander vernetzen sollen. Als die Linie Bordeaux - Toulouse - Montpellier - Marseille geplant wird, sind zwei verschiedene Ausführungsmöglichkeiten des Teilstückes Béziers - Sète in der Diskussion:
Dieser zweite Vorschlag, der Marseillan von der Bahnlinie ausschließen würde, beunruhigt die Marseillanaiser Bürger sehr. Der Gemeinderat legt Beschwerde ein, jedoch vergeblich, da Sète und die Gesellschaft "Salines de Midi" (deren Produktionsstätten am Strandstreifen zwischen Étang und Meer liegen) mit einem neuen Projekt Druck machen, die Linie über Pézenas und Mèze zu führen. Angesichts dieser Drohung, ganz und gar vom Fortschritt Eisenbahn ausgeschlossen zu werden, stimmt Marseillan schließlich dem zweiten Vorschlag zu.
Der Abschnitt Béziers - Vias - Agde - Sète wird im Jahre 1856 fertiggestellt, und um den Groll der Marseillanaiser etwas zu lindern, wird ein Bahnhof für Marseillan am zu Marseillan gehörenden Weiler "Onglous" gebaut. (Diese Station heißt heute "Marseillan-Plage" und die Züge halten hier nach Bedarf.)
Marseillan bekommt dann aber doch noch seine direkte Bahnlinie, als in den 90er Jahrens des 19. Jahrhundert eine regionale Bahnlinie von Agde über Marseillan nach Mèze führt und der Marseillanaiser Bahnhof 1897 in Betrieb genommen wird. (Auf dieser Bahnlinie befindet sich heute die Straße, die an der Industriezone entlang führt, und der ehemalige Bahnhof beherbergt heute das Unternehmen Michel & Frères.)
Nun war ja für Marseillan die Eisenbahn nicht der einzige Transportweg zur Außenwelt. Durch seine vorteilhafte geographische Lage an der Mündung des Canal du Midi in den Étang de Thau, der wiederum durch den Hafen Sète mit dem Mittelmeer verbunden ist, hat Marseillan seine Weine schon immer über die Wasserwege verschickt, was zu einem rasanten Aufschwung des Marseillanaiser Handels und einem Ausbau des Handelshafen im 19. Jahrhundert führen wird.
Dokumente belegen, dass schon im 17. Jahrhundert der Marseillanaiser Hafen als Umschlagsplatz für Wein, Weizen, eingepökelte Makrelen und Sardinen sowie frischen Fisch galt. Im Jahre 1699 gestattet eine vom königlichen Intendanten des Langudedoc, Basville, erteilte Erlaubnis, den Ausbau des Hafens "en dur", d.h. der Hafen darf zementiert werden. Diese Arbeiten werden zwischen 1700 und 1705 ausgeführt.
Im Jahre 1856 ist der Hafen allerdings versandet und die Quais müssen neu befestigt werden. In den folgenden Jahren wird der Hafen restauriert und durch Trockenlegen von Teilen des Étangs vergrößert. Viele Weingroßhänder bauen ihre Lagerhallen auf diesem Gelände ( NOILLY-PRAT lässt sich in Marseillan nieder). Nach dem Krieg von 1870/71 kennt der Weinhandel einen großen Aufschwung, und man plant, den Hafen noch weiter auszubauen. Dieses Projekt wird allerdings im Jahre 1876 durch die Reblausseuche gestoppt.
Seit 1860 steigt die Zahl der Weinhändler, die ihre Lagerhallen und Fabrikationsanlagen (Schnapsdestillerien und Likörfabriken) rund um den Hafen installieren, ständig an. Im Jahre 1894 fahren täglich 10 bis 15 Transportschiffe zwischen Marseillan und Sète hin und her um den Transport der Spirituosen zu gewährleisten. Außerdem herrscht ein reger Verkehr mit Lastschiffen auf dem Canal du Midi, die die Strecke zwischen Marseillan und Toulouse in 6 bis 7 Tagen bewältigen.
Marseillan ist also zu einem bedeutenden Handelsumschlagsplatz geworden.