Der Reichtum des Ortes durch den Wein

Der Marseillanaiser Boden produziert vor allem weiße Rebsorten, die sogenannten "Picardans" und "Piquepoul", aber auch Rotweine. Über die Häfen von Sète und Agde werden sie nach ganz Frankreich und auch ins Ausland verschickt, vor allem nach Italien, Afrika und bis in den hohen Norden Europas.

Einige Zahlen:   

                Ernte

1841         105.000 hl

1861         175.500 hl     (davon 9.500 hl vor Ort komsumiert)

 

Marseillan produziert noch den 3/6 ("trois-six", eine Art Branntwein), der bei der Bevölkerung sehr beliebt ist und in drei verschiedenen Fabrikationsanlagen hergestellt wird. Und NOILLY-PRAT eröffnet 1850 seine Fabrikanlagen zur Vermouth-Herstellung in Marseillan. Die Stadt zählt zu diesem Zeitpunkt 12 Weingroßhändler, die den hier hergestellten Wein und Branntwein vertreiben.

Die Stellung Marseillans im südfranzösischen Weinbau zeigt sich auch in der Tatsache, daß die ersten erfolgreichen Düngversuche mit Sulfat hier stattfinden.

Marseillan ist also durch den Wein wohlhabend geworden, und Auguste Bartre beschreibt in seinem Buch die an Festtagen geschmückten Winzer und Winzerinnen mit ihren Seidenkleidern, ihren an Goldketten getragenen goldenen Uhren und Lackstiefel an den Füßen. Die weniger reichen Weinbauern verdingen sich nebenbei als Tagelöhner und werden morgens auf dem Dorfplatz von den reichen Großgrundbesitzern eingestellt, nachdem man ihren Lohn ausgehandelt hat.

Das kulturelle Leben blüht in Marseillan. Es gibt einen großen Chor, ein klassisches Orchester und eine Militärmusikgruppe, eine Theateramateurtruppe und den öffentlichen Federballspielplatz, auf dem sich die vornehmen Damen und Herren vergnügen. Marseillan hat 7 gut besuchte Cafés und zwei Hotels.

Trotz seines Reichtums bleibt Marseillan allerdings nicht ungeschoren, als die große Reblausseuche (Phylloxera) in den 70er Jahren des 18. Jahrhundert über Südfrankreich hereinbricht. 1876 erreicht sie Marseillan und bis zur Weinlese 1877 hat sie alle Weinfelder befallen.

Ein Dokument der Epoche beschreibt dieses Drama auf drastische Weise:

"Im September 1878 liegen die großen Ebenen verlassen da; keine Bewegung, keine Freudenschreie ertönen in unseren Weinbergen zur Zeit der Weinernte. Der Tod, so scheint es, hat hier Einzug gehalten."

"Viele Leute ziehen fort, die Läden sind geschlossen. Die wenigen Pferdewagen, denen man noch auf den Straßen begegnet, transportieren abgestorbene Weinstöcke. Das Land läßt sich nicht mehr verkaufen, und die Leute trinken nur noch Wasser."

Und dennoch verkraftet Marseillan die Krise besser als viele andere Weinbauorte, denn es besitzt einen unermesslichen Reichtum in diesen schweren Zeiten: die in den sandigen Strandterritorien angepflanzten Weinreben sind resistent gegen die Reblaus !

Seit der Gründung der Stadt Sète im Jahre 1660 gab es immer wieder Streitigkeiten um das Besitzrecht an dem Strandstreifen zwischen Étang und Meer. Marseillan kann letztendlich nur einen kleinen der Stadt direkt gegenüberliegenden Streifen behalten, an dem Wein angepflanzt wird. Allerdings erwirbt die Stadt Marseillan eine große Fläche Sumpfland in Meeresnähe vom Staat, das nach der Trockenlegung im Jahre 1874 an Marseillanaiser Bürger zwecks Weinanbau weiterveräußert wird. Auch 1877 verkauft die Stadt ein 175 ha großes Gelände zum Preis von 100 F pro ha an einheimische Winzer, die hier sofort mit dem Weinanbau beginnen und so der Phylloxera die Stirn bieten.

 

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