Die Entwicklung des Marseillanaiser Weinanbaus
Marseillan ist zu Beginn der 2. Hälfte des 19. Jahrhundert ein großes Weinbauerndorf. Auguste Bartro schreibt in seinem Buch von 1860:
" Man findet in Marseillan kaum etwas anderes als Weinfelder und Olivenbäume. Weizen wird nur in geringen Mengen angebaut und Futtergetreide bezieht man aus anderen Gegenden. Auch Obstgärten hat die Stadt kaum vorzuweisen; Gemüse und Obst kommt aus den umliegenden Dörfern."
Marseillan hat schon während der Erweiterung des languedocischen Weinanbaus im 17. Jahrhundert, die sich ab 1765 noch beschleunigte, seine Bestimmung in der Weinherstellung gefunden. In den städtischen Archiven findet man viele Dokumente, die dies bestätigen. Während des 18. Jahrhundert findet man dort immer wieder Eintragungen über Traubendiebstähle vor der Weinernte: 1782 pflücken Marseillanaiser Bürger nach der Ernte verbliebene Trauben noch bevor sie offiziell die Erlaubnis hierfür haben. 1784 stiehlt eine Gruppe von 8 Einwohnern Trauben von einem Muskat-Weinfeld. Diese Leute werden im allgemeinen zu einer Geldstrafe, manchmal auch zu einigen Wochen Gefängnis verurteilt. Übrigens ist es die örtliche Polizei, die das Eröffnungsdatum der Weinernte und den Lohn der Erntehelfer festsetzt. 1792 beauftragt der Stadtrat sogar das Militär mit der Überwachung der Weinfelder vor der Ernte.
Aber die historischen Dokumente zeigen auch, dass die Viehzucht am Ende des 18. Jahrhunderts noch existiert. Es kommt öfter zu Streitigkeiten zwischen Weinbauern und Schafhirten, die ihre Herden nach der Weinernte in den Weinfeldern weiden lassen, und so die armen Leute um ihre Nachlese betrügen.
Olivenbäume gibt es ebenfalls in großer Zahl, allerdings wird das gewonnene Olivenöl nur zum Eigenbedarf verwendet und nicht veräußert.
1772 erlässt der König ein Gesetz, das Leute, die seit 40 Jahren brachliegendes Land bebauen, vom Zehent und der Kopfsteuer ausnimmt. Dies trägt sehr zur Ausbreitung der Marseillanaiser Weinfelder bei, und es wird zum ersten Mal auch auf den sandigen Flächen in Meeresnähe Wein angebaut.
So ist es nicht verwunderlich, dass das Leben in Marseillan in der Zeit um 1860 ganz im Zeichen des Weines steht.
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